Erstmals mit Mütze.
Während fast alle anderen Hersteller bei ihren Cabrios auf Stahldächer setzen, zelebriert Audi beim A3 das Comeback der Stoffhaube. Das ist billiger und praktischer - welches andere offene Kompaktklassen-Auto kann schon ein Mountainbike schlucken? In der Cabrio-Version des A3 stört bei moderatem Tempo kein Lüftchen das Sonnenbad auf Rädern, solange alle Fenster hochgefahren sind und das Windschott aufgestellt ist. Erst wenn mit einem Knopfdruck alle vier Scheiben auf einmal nach unten surren und der Sturmfänger im Heck verschwindet, bricht ein Orkan im Innenraum los. Vier Motoren sind für das neue A3 Cabrio im Angebot, deren Auswahl vor allem die Vernunft und der Blick auf den Preis bestimmen: Kein Sechszylinderaggregat und kein Quattro-Modell soll es geben, sondern zwei Diesel mit 105 oder 140 PS und zwei Benziner mit 160 oder 200 PS sind anvisiert. Und zumindest der größte und stärkste Motor wird mit spontanem Antritt und kernigem Sound dem sportlichen Anspruch der Bayern gerecht.
Während Audi sich sonst gern fortschrittlich gibt, halten die Markenstrategen beim A3 Cabrio, das im VW-Konzern die Position des früheren Golf Cabrios besetzt, am konventionellen Faltdach fest. "Der offene A3 steht in bester Tradition der Audi Cabriolets. Wie bei allen anderen offenen Autos unserer Marke haben wir uns für ein Softtop entschieden. Das gilt auch für zukünftige Cabriolet-Modelle. Ein Audi Cabriolet ist und bleibt ein Cabriolet mit Stoffdach", sagt Marketing-Vorstand Ralph Weyler.
Audi setzt auf die Vorteile des Stoffverdecks
Selbst die Konzernmutter VW hat den offenen Golf, das einstmals meistverkaufte Cabrio der Republik, durch das Hardtop-Coupé Eos ersetzt. Doch Audi spannt eine schmucke Stoffmütze über die zwei Sitzreihen und reklamiert dafür eine Reihe von Vorteilen. Ein Stoffdach sei leichter, und man könne es kleiner zusammenfalten.
Obwohl es mit 2,18 Metern fast so lang ist wie das Dach des Bentley Continental, passt es in einen Blechkasten, der kaum zwei Kleidersäcke fassen würde. Außerdem ist zumindest das um 800 Euro teurere Akustikverdeck genauso gut gedämmt wie ein Hardtop und kann zudem bis Tempo 30 auch während der Fahrt bewegt werden. Weil es zum Öffnen nur neun und zum Schließen elf Sekunden braucht, reicht auch die kürzeste Ampelphase zum Dachumbau. Außerdem komme das geringere Gewicht der Fahrdynamik zugute, und das Format diene einem eleganteren Design, armumentiert Audi. Man muss die Frontscheibe nicht bis weit hinter den Scheitel des Fahrers verlängern, um die Spannweite des Daches zu verkürzen, und man braucht kein Heck wie eine Tischtennisplatte, um darunter die Verdeckelemente zu verstauen. Das A3 Cabrio sei sogar leichter als das geschlossene Modell, versprechen die Entwickler. Und das Gepäckabteil misst bei offenem wie geschlossenem Dach 260 Liter.
"Die Alltagstauglichkeit war uns sehr wichtig", berichtet Produktmanager Marcus Pausch. Natürlich fasst das Cabrio auch die obligatorischen Golftaschen, und sogar ein Mountain-Bike könne man dank der geteilt umklappbaren Rücklehne problemlos transportieren. Dafür haben die Bayern sogar stilistische Kompromisse gemacht und hinter den Kopfstützen zwei wuchtige Überrollbügel installiert, wo andere Hersteller aus pyrotechnische Systeme setzen.
"Nur so konnten wir die große Durchladeöffnung schaffen", sagt Pausch und versucht, die mit Chrom überzogenen Würste schön zu reden. Keiner zusätzlichen Worte bedarf es beim aufgefrischten Design des A3: Der Kühlergrill wirkt größer, die Scheinwerfer mit der Option auf LED-Tagfahrlicht sind noch prägnanter. Und am Heck gibt es neben dem in die Kofferraumklappe eingearbeiteten Spoiler neue Rücklichter, deren Leuchtstäbe aussehen wie mit dem Laserpointer gezeichnet. Weil es in dieser Klasse kaum mehr Konkurrenten mit Stoffverdeck gibt, stehen die Chancen für den offenen Viersitzer nicht schlecht, wenn er im März zu Preisen zwischen 27.950 Euro für den schwächsten Diesel und 35.150 Euro für den großen Benziner in den Handel kommt.
Doch trotz des optisch durchaus ansprechenden Wagens ist Audi die Aufmerksamkeit nicht sicher: Denn BMW bringt in der 1er-Baureihe beinahe zeitgleich ein ganz ähnlich konzipiertes Auto an den Start. Jetzt fehlt nur noch ein Märchensommer.